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REMIX 3 – Winter-Gruppenausstellung
Ort: EMDE GALLERY - Mainz
Die Emde Gallery freut sich sehr, die letzte Ausstellung dieses Jahres anzukündigen: REMIX 3.
In der Winter-Gruppenausstellung werden ausgewählte Werke von neun Künstler*innen aus dem Galerieprogramm präsentiert, die in diesem Jahr keine Einzelausstellung in der Galerie hatten: Ronia Adl-Tabatabai, Chris Bierl, Götz Diergarten, Shin Jeong Hoon, Vincent Kück, Poppy Luley, Alina Röbke, Alexandra Sonntag und Florian Witt. Ergänzt wird die Schau durch Werke von Katja von Puttkamer, die erstmalig in der Galerie zu sehen ist.
Die Ausstellung knüpft an die Jubiläumsausstellungen REMIX 1 und 2 an, die 2023 einen Querschnitt des Galerieprogramms zeigten. Die Besucher erwartet erneut eine spannende Vielfalt unterschiedlicher künstlerischer Positionen. Das mediale Spektrum reicht von abstrakter und figurativer Malerei über Skulptur und Fotografie bis hin zur Cyanotypie. Die Werke eröffnen unterschiedliche Herangehensweisen und Perspektiven auf aktuelle künstlerische Themen und Fragestellungen. Obwohl die Ausstellung kein gemeinsames Leitmotiv verfolgt, finden sich sehr wohl verbindende Elemente und überraschende Schnittstellen. Viele Arbeiten greifen etwa Themen und Motive aus der Natur und Landschaft auf oder zeigen vegetative und florale Formen.
Die Laufzeit der Ausstellung wird verlängert bis zum 8. Februar 2025.
Soft Finissage: Samstag, 8. Februar von 12 - 16 Uhr
Im vorderen Raum der Galerie zeigt Götz Diergarten eine Auswahl aus seiner neuen Serie „outside-in“, in der er seine Motive durch verschiedene Arten von halbtransparentem Glas fotografiert, darunter gerilltes, geripptes, gewelltes, gewölbtes und ornamentales Glas. Die Glasschicht zwischen Kamera und Motiv verwandelt die dahinterliegende Welt und ihre Objekte in abstrakte Kompositionen aus unterschiedlichen Farbfeldern und fragmentierten Formen. Das Dargestellte erscheint verfremdet – manchmal an Pointillismus erinnernd, ein anderes Mal pixelig oder diffus, je nach Glasstruktur.
Eine besondere Rarität sind zwei Leuchtkästen aus dem Jahr 1994, die noch während Götz Diergartens Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bernd Becher entstanden sind. Sie zeigen jeweils eine schneebedeckte rheinhessische Landschaft. Die strengen Kompositionen und geometrischen Anordnungen der Weinstöcke erinnern an die reduzierte Formensprache der minimalistischen Malerei. Die malerische Wirkung wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Leuchtkästen auf analogen Kleinbild-Dias basieren. Durch die Vergrößerung erhalten die Bilder eine deutliche Körnung und weiche Unschärfe. Sie verleihen den Leuchtkästen einen charmanten Vintage-Look und bilden eine Kontrast zur Präzision der digitalen Fotografie.
Ebenfalls zu sehen ist das Frühwerk „Weihnachtsbaum – Duchamp“ von 1993, eine spielerische Fotografie, die einen weihnachtsbaumförmigen Flaschentrockner mit aufgesteckten grünen Flaschen zeigt – eine augenzwinkernde Hommage an Marcel Duchamps ikonischen „Flaschentrockner“.
Poppy Luley präsentiert neue, farbig glasierte Keramikskulpturen, die entweder auf Sockeln präsentiert werden oder frei im Raum verteilt sind. Während sich die Künstlerin in ihren früheren Skulpturen häufig von Spielplatzgeräten inspirieren ließ, greifen ihre neuen Arbeiten florale und organische Formen auf, die an Blumen oder Pilze erinnern, ohne dass diese realistisch zu identifizieren wären. Sowohl die fragilen Details als auch die poetischen Farbwelten der Glasuren, die den Skulpturen eine malerische Qualität verleihen, laden zum genaueren Betrachten ein.
Alina Röbke zeigt eine großformatige, überaus filigrane Cyanotypie, die statt auf klassischem weißem Papier oder einer weißen Leinwand auf orangefarbenem Polyester erstellt wurde. Dadurch entstehen warme Brauntöne anstelle der für das fotografische Verfahren charakteristischen Blautöne.
Alina Röbkes Cyanotypien stehen ganz im Zeichen des Experimentellen und Prozesshaften: Des Experimentellen, weil besonders beim Belichten des mit einer lichtempfindlichen Lösung behandelten bzw. bemalten Papiers im Freien, das Ergebnis nicht vorauszusehen ist und nur bedingt kontrollierbar ist; des Prozesshaften, weil durch Anwendung verschiedener Techniken, wie etwa einer langen Belichtungs- und/oder Entwicklungszeit, der Lauf der Zeit selbst sichtbar zu werden scheint. Dem Spiel mit dem Zufall wird dabei von der Künstlerin bewusst viel Raum gegeben und mit kontrollierten Elementen verbunden. Einmal mehr ergründet sie damit das malerische Potenzial dieses fotografischen Verfahrens.
Chris Bierl präsentiert eine Fotografie aus seiner Serie „A One Storied Country“. In den Jahren 2017, 2018 und 2020 erkundete der Künstler mit seiner Kamera die Region rund um den radioaktiv kontaminierten Techa-Fluss in Russland, östlich des Uralgebirges. Seine fotografische Spurensuche führte ihn zu zahlreichen weiteren von Schwerindustrie und Umweltverschmutzung geprägten Orten der Region. In seiner Serie rückt der Künstler die verheerenden Effekte des Anthropozäns, die Auswirkungen und Veränderungen, die menschliche Eingriffe in die Natur mit sich bringen, in den Vordergrund. Diese Missstände hält er in ästhetisch eindrucksvollen und poetisch anmutenden Kompositionen fest. Das Zusammenspiel von Schönheit und Zertsörung schafft eine Spannung, die seinen Arbeiten eine Tiefe und Vielschichtigkeit verleiht, die sich erst nach längerem Betrachten offenbart.
Die in der Ausstellung gezeigte Fotografie zeigt beispielsweise eine Gruppe von Bäumen vor einem orangefarbenen Himmel. Eine dünne Schneeschicht bedeckt die Szenerie und verleiht ihr eine ruhige, fast poetische Atmosphäre. Erst auf den zweiten Blick treten hinter den Bäumen die Überreste einer Gebäudestruktur hervor und durchbrechen die scheinbare Idylle.
Die Serie „A One Storied Country“ wird durch eine umfassende Publikation gleichen Namens ergänzt, die weitere Einblicke in Chris Bierls fotografische Erkundung bietet.
Ein zentrales Thema in Alexandra Sonntags Malerei ist die Landschaft mit ihren Pflanzen- und Vegetationsformationen. Dabei bewegen sich ihre Malereien stets an der Schnittstelle zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit und zeichnen sich durch eine Vielfalt an malerischen Techniken aus. Sie können sowohl dick aufgetragene, grobe Farbspuren enthalten als auch glatt gemalte Oberflächen, sowohl deckende als auch semitransparente Farbschichten, sowohl filigran ausgearbeitete Details als auch intuitiv gesetzte, schnelle Pinselstriche. Die expressive Gestik, die sich durch alle ihre Arbeiten zieht, sorgt für eine Leichtigkeit und Flüchtigkeit in den farbintensiven, formatfüllenden Kompositionen.
Die Skulptur „flying dog“ von Shin Jeong Hoon zeigt einen mit Beton ummantelten Reisekoffer, in den ein Relief eines Hundes eingearbeitet ist. Die Darstellung erinnert an den ägyptischen Gott Anubis, der traditionell in der Gestalt eines Hundes erscheint. Ein subtiler Verweis auf diesen Kontext ist der Bagtag des Koffers, der das Reiseziel „Kairo“ angibt. Durch die Betonhülle erhält der Koffer eine unerwartete Schwere, die ihn seiner eigentlichen Funktion beraubt. Gleichzeitig spielt die Arbeit mit der Idee des Hundes als treuem Begleiter im Alltag an, der in Shin Jeong Hoons Skulptur – anders als im realen Leben – symbolisch „mit auf Reisen“ geht. Die Kombination des unbrauchbar schweren Beton-Koffers mit der mythologisch aufgeladenen Hundedarstellung bricht bewusst mit den gewohnten Erwartungen. „Flying dog“ lädt zu humorvollen wie tiefgründigen Interpretationen ein.
Im hinteren Raum der Galerie befinden sich weitere Keramiken von Poppy Luley, die in einen Dialog treten mit neuen Malereien von Ronia Adl-Tabatabai und einer Auswahl an Werken von Katja von Puttkamer.
Im Mittelpunkt der Arbeit von Ronia Adl-Tabatabai steht die Auseinandersetzung mit dem Pinselstrich, den sie als wiederkehrendes Element konsequent durch verschiedene Werkgruppen wandern lässt. In den hier präsentierten Arbeiten spielt dabei das Experimentieren mit Gesso eine wichtige Rolle. Gesso, eigentlich als Grundierung gedacht, wird von Ronia allerdings nicht nur als Basis verwendet, sondern sie integriert dessen Materialität und Struktur bewusst in die Malerei. Durch den Auftrag von Gesso und Farbe in mehreren Schichten entsteht eine vielschichtige Textur, die den Arbeiten eine gewisse Bildtiefe verleiht. Die plastische Wirkung dieser Schichten lässt die Oberfläche lebendig wirken und lädt den Betrachter ein, die Struktur der Werke aus der Nähe zu erkunden. Die Wechselwirkung zwischen kontrollierten Pinselstrichen, der Materialität des Gesso und den aufgetragenen Farbschichten erzeugt ein spannungsreiches Zusammenspiel, das die Grenze zwischen Fläche und Tiefe aufbricht.
Katja von Puttkamer widmet sich in ihrer Malerei der Erforschung des städtischen Raums und der Architektur der Nachkriegsmoderne. Dabei konzentriert sie sich insbesondere auf Rasterfassaden, die durch klare, geometrische Strukturen, wiederkehrende Formen, Farben und Muster auffallen. Sie liefern ihr unterschiedliche Bildmotive, die sie in Malerei überträgt. Katja von Puttkamer löst gezielt Fragmente und Details von Fassaden oder des städtischen Kontextes heraus. Auf diese Weise rückt sie Motive in den Fokus, die im Alltag oft übersehen werden und unspektakulär wirken mögen – wie rhythmisch angeordnete Fliesen, farbige Bauelemente oder ornamentale Muster. Durch ihre Neuinterpretation verleiht sie diesen vermeintlich banalen Strukturen eine besondere ästhetische Qualität.
Der zweite hintere Raum zeigt Malereien von Vincent Kück und Florian Witt.
In seinen Arbeiten setzt sich Vincent Kück mit dem sich wandelnden Status des Subjekts in einer Welt auseinander, die zunehmend von digitalen Medien durchdrungen ist. Dabei verwendet er eine rein abstrakte Formensprache, die frei von jeglichem Gegenständlichen oder Narrativen ist. Während einige Werke stärker von Linien und geometrischen Flächen geprägt sind, gestaltet er in anderen die Flächen freier, stellt organische Formen neben geometrische oder camouflageartige Formen, legt neue Farbschichten über ältere, fügt hinzu und nimmt wieder weg. Schicht für Schicht entstehen so abstrakte Kompositionen, die trotz ihrer Zweidimensionalität durch eine Tiefenräumlichkeit charakterisiert sind und damit im starken Kontrast zur glatten Oberfläche digitaler Technologien stehen.
Digitale Welten sind für Florian Witt seit jeher eine Inspirationsquelle für einen Teil seines künstlerischen Schaffens. „Eindrücke der Welt der Computerspiele“, so der Künstler, „von ihren Anfängen bis heute, prägen den Breakdance aus Farbwelten, Kompositionswegen und Abstraktionsräumen, die in den Ruhephasen zwischen dem aktiven Arbeiten an Bildern vor meinem inneren Auge tanzt. Aus ihr kommen viele meiner Ideen.“ In den letzten Jahren hat Florian Witt eine künstlerische Position entwickelt, die sich besonders mit der Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt auseinandersetzt. Dabei hat er eine ganz eigene, unverkennbare Bildsprache gefunden, die von wiederkehrenden (geometrischen und figürlichen) Formen und Zeichen geprägt ist, und sich im Spannungsfeld zwischen gezeichneter Malerei und gemalter Zeichnung bewegt.
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