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Phantomspeisung – Lukas Gartiser, Paul Laakmann, Paul Schuseil

Phantomspeisung – Lukas Gartiser, Paul Laakmann, Paul Schuseil

Ort: EMDE GALLERY - Mainz

 

Die Emde Gallery freut sich, als erste Ausstellung des neuen Jahres die Gruppenausstellung „Phantomspeisung“ mit Arbeiten von Lukas Gartiser, Paul Laakmann und Paul Schuseil zu präsentieren.

Der ursprünglich aus der Tontechnik stammende Begriff „Phantomspeisung“ bezeichnet eine Stromversorgung für Mikrofone, die über das Mikrofonkabel erfolgt. Erst diese verborgene Energiezufuhr ermöglicht es bestimmten Mikrofontypen – sogenannten Kondensatormikrofonen – ihre Funktion zu erfüllen, etwa flüchtige akustische Ereignisse wie Sprache oder Gesang aufzunehmen, weiterzuleiten oder hörbar zu machen.

In der Ausstellung wird dieser technische Begriff zur Metapher für jene verborgenen Kräfte, Strukturen und Wirkzusammenhänge, die durch ihr Wirken im Hintergrund Prozesse überhaupt erst ermöglichen, ohne selbst unmittelbar in Erscheinung zu treten. „Phantomspeisung“ als Begriff wirkt dabei zunächst widersprüchlich: Während das „Phantom“ etwas Unsichtbares oder Nicht-Greifbares bezeichnet, verweist die „Speisung“ auf etwas sehr Konkretes und Körperliches. Genau dieses Spannungsverhältnis bildet den zentralen Ausgangspunkt der Ausstellung. 

Auch wir sind von zahlreichen, für uns nicht sichtbaren Kräften umgeben, die unser Handeln beeinflussen und antreiben. Ein großer Teil dessen, was wir täglich hören, sehen oder konsumieren, basiert auf der Energie des elektrischen Stroms und der Verarbeitung digitaler Signale: algorithmisch kuratierte Musik-Playlists, personalisierte Videofeeds bis hin zu KI-gestützte Finanzsysteme wirken auf unser Leben ein. Diese Kräfte sind nicht sichtbar, ihre Auswirkungen aber real – emotional erfahrbar, körperlich spürbar und existenziell. Sie eröffnen neue Möglichkeiten, schaffen Zugänge und Sichtbarkeit, lenken uns aber zugleich, geben Muster vor, begrenzen uns oder erzeugen Abhängigkeiten. Auch jenseits technologischer Infrastrukturen formen soziale Normen, kulturelle Prägungen und historische Einschreibungen unsere Wahrnehmung, Entscheidungen und Handlungsspielräume.

Dieses komplexe Zusammenspiel aus Ursache und Wechselwirkung wird von den drei Künstlern auf unterschiedliche Weise aufgegriffen und konkretisiert. Technische Elemente wie Stecker und Kabel, ordnende Raster und Fragmente sowie pflanzliche und organische Formen verweisen auf unterschiedliche Arten des Verbindens, Leitens und Strukturierens. Sie machen sichtbar, wie sehr unser Leben – nicht nur in technischer Hinsicht – von solchen oft verborgenen Systemen durchzogen ist.

Bereits der von den Künstlern zur Ausstellung entwickelte Flyer visualisiert diese Ambivalenz und verknüpft die Positionen der drei Künstler zeichenhaft: Das dort verwendete USB-Symbol – ein aus Kreis, Dreieck und Quadrat gebildeter Dreizack – steht exemplarisch für eine alltägliche Form der Phantomspeisung, bei der Energie und Daten parallel übertragen werden (analog zum XLR-Kabel in der Tontechnik, das gleichzeitig Audiosignale leitet und Energie liefert).
Gleichzeitig nimmt es Bezug zu den keramischen Stecker-Arbeiten von Paul Schuseil. Ein kleines, austreibendes Blättchen setzt dazu einen Gegenakzent – ein augenzwinkernder Verweis auf Lukas Gartisers Zeichnungen, die den Begriff der Phantomspeisung um eine organische Dimension erweitern. Das unterliegende Raster wiederum verweist auf die Arbeiten von Paul Laakmann, in denen ordnende Strukturen, die unseren Blick lenken, hinterfragt werden.

Lukas Gartiser beschäftigt sich mit verborgenen Versorgungs- und Verbindungssystemen, jedoch weniger im technischen als im organischen und metaphorischen Sinn. Seine Arbeiten entstehen aus dem Versuch heraus, seine Umwelt möglichst unmittelbar zeichnerisch zu erfassen. Von Interesse sind insbesondere Menschen, Pflanzen und Tiere. Mehrere Zeitebenen, Perspektiven und Bewegungszustände verschränken sich dabei innerhalb eines Bildes, ohne sich zu einer eindeutigen Ansicht zu schließen. Insbesondere in den Porträts, in denen er das Wesenhafte einer Person zu erfassen sucht, entstehen phantomhafte Momente. Das Bild wird zum Schauplatz einer flüchtigen Präsenz, ähnlich einer Mehrfachbelichtung.
Eine zentrale Rolle spielt zudem Gartisers Serie von Zeichnungen exotischer Topfpflanzen, darunter weit verbreitete Arten wie Pilea und Monstera. Insbesondere die Pilea fungiert hier als Sinnbild für vernetzte, offene Systeme: Ihre rhizomartigen Strukturen – geprägt durch Ausläufer und Verzweigungen ohne hierarchisches Zentrum – lassen sich als Absage an lineare Ordnungen lesen. In den Zeichnungen der Monstera treten dagegen deren charakteristischen Luftwurzeln deutlich hervor. Sie erinnern an organische Entsprechungen von Leitungen, die in den Bildraum greifen, und auf unsichtbare Versorgungssysteme verweisen.
In zarten, aquarellierten Lasuren und weichen, konturlosen Übergängen sowie in einer dichten, an eine Petersburger Hängung erinnernde Anordnung betonen die Werke ein Beziehungsgeflecht, in dem das einzelne Bild zu einer Art Knotenpunkt wird.

Paul Laakmann wiederum richtet den Fokus auf soziale, wahrnehmungsbezogene und machtkritische Aspekte. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Anerkennung einer grundsätzlich begrenzten Wahrnehmung, die stets subjektiv, fragmentarisch und von individueller Erfahrung geprägt ist. Diese Subjektivität versteht Laakmann nicht als Defizit, sondern als Voraussetzung seines künstlerischen Schaffens.

In raumgreifenden Werken wie „Soziale Arbeit“ (2022) thematisiert er die alltägliche Handlung des Sehens, indem er sie in eine veränderte Ordnung überführt: Der scheinbar freie Blick wird durch ein regalartiges Objekt gezielt gelenkt und so als strukturiert und vorgeprägt erfahrbar gemacht. Ähnlich verfährt Laakmann in „Heft290520“ (2020), indem er die bekannte Normierung des Schreibens auflöst und die Zeichnung als Inbegriff von Individualität dagegenstellt. Vorgegebene Ordnungen – ob räumlich, sozial oder kulturell – wirken als unsichtbare Kräfte und bestimmen, was sichtbar wird und wie Wahrnehmung organisiert ist. Damit verweisen seine Arbeiten auf jene Normierungen und Machtverhältnisse, die meist unbewusst internalisiert werden und erst durch minimale Verschiebungen oder Eingriffe erfahrbar werden.
Ergänzend zeigt Laakmann einer Serie von Frottagen zerschlagener Grabsteine aufgegebener Gräber. Das Phantomhafte liegt hier im Unscheinbaren, im Überrest und im indexikalischen Abdruck. Die Technik des Abreibens fungiert dabei als eine Art „Leitung“, die Informationen über abwesende Körper und ausgelöschte Biografien aus dem Verborgenen in die Sichtbarkeit überführt. Die Arbeiten erscheinen als materielle Spuren des Nicht-Mehr-Sichtbaren, als zeitliche Einschreibungen, die sich direkt in der Papieroberfläche abdrücken. Die vor seinem Studium der Bildenden Kunst absolvierte Ausbildung zum Steinmetz, die von Wiederholung und Kopie geprägt war, bildet dabei ein wichtiges Fundament für seine heutige kritische Auseinandersetzung mit Gegenwart und Wahrnehmung.

Paul Schuseil präsentiert in der Ausstellung neue Keramikarbeiten, in denen ein spielerischer Umgang mit dem Werkstoff auf die Reflexion gesellschaftlicher Prozesse trifft. So zeigt die Serie „Wie kürzt man ,first quarter of the 21st century‘ ab?“ übergroße Nachbildungen von Handy-Ladegeräten mit Lightning-Steckern, die symbolhaft für Energiefluss und Datenübertragung stehen. Mit der Einführung des einheitlichen USB-C Standards werden diese Anschlüsse jedoch zusehends obsolet. Jede Stecker-Arbeit weist dabei einen anderen Charakter auf und sagt dabei mutmaßlich etwas über die Persönlichkeit seiner fiktiven Besitzerin oder seines fiktiven Besitzers aus: Die Objekte, deren Kabel in regenwurmartigen Schlaufen arrangiert sind, Brüche offenbaren oder sich in engen Windungen um die Netzteile legen, sind mit teils glänzenden teils matten Glasuren in Rosa, Schwarz, Grau, Mint und Weiß überzogen. Durch die Übersteigerung in Form und Ausdruck, wobei das Kabel mit dem Lightning-Stecker jeweils von einem biegsamen Gebrauchsgegenstand zu einem harten, unbeweglichen Objekt transformiert wird, werden die Keramiken zu Denkmälern einer aussterbenden Verbindung oder des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts.
In einer weiteren keramischen Arbeit bevölkern Ratten eine schwer definierbare Konstruktion aus kantigen, blockhaften Formen, die an ein industrielles Trägersystem oder Maschinenfragment erinnert. Es ist eine groteske Szenerie, in der sich die Ratten selbstbewusst auf, unter und durch die filigran gefertigte und mit vielen Details ausgearbeitete Konstruktion zu bewegen scheinen, als sei sie längst Teil ihres eigenen Territoriums. Die Konstruktion selbst – eine Metapher für verborgene Systeme, die Prozesse ermöglichen, ohne selbst sichtbar zu sein? – wird durch die Präsenz der Nagetiere buchstäblich unterwandert. Ihre Ordnung scheint ausgehöhlt, ihre Funktion infrage gestellt. Die Plastik verdeutlicht auf spielerisch-humorvolle Weise, wie Infrastrukturen durch Aneignungsprozesse ihre ursprüngliche Macht verlieren können.

Durch die Zusammenführung dieser unterschiedlichen und doch miteinander verbundenen künstlerischen Positionen geraten technische, organische und soziale Systeme gleichermaßen in den Blick.

„Phantomspeisung“ ist Teil der von Lukas Gartiser, Paul Laakmann und Paul Schuseil 2020 initiierten Schalttags-Ausstellungsreihe, die seitdem alle vier Jahre an wechselnden Orten fortgesetzt wird. In immer neuen räumlichen und sozialen Konstellationen entstehen temporäre Kollektive und gemeinsam entwickelte Ausstellungen. Die Ausstellung in der Emde Gallery markiert eine Zwischenzeit: Sie endet als Halbzeit zwischen den Ausgaben 2024 und 2028.

ERÖFFNUNG: Freitag, 23. Januar, 18 – 20:30 Uhr
Gallery Crawl PART MAINZ: Donnerstag, 26. Februar, 18 – 22 Uhr
FINISSAGE zur Schalttag-Halbzeit: Samstag, 28. Februar 2026, 12 – 16 Uhr, Künstlerführungen um 12:30 Uhr und 14:30 Uhr

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