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Katja von Puttkamer – hier

Katja von Puttkamer – hier

Ort: EMDE GALLERY - Mainz

Die Emde Gallery freut sich, mit „hier“ die erste Einzelausstellung von Katja von Puttkamer in der Galerie zu präsentieren. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Rasch kuratiert.

Der Titel der Ausstellung erscheint zunächst denkbar einfach. „hier“ bezeichnet den unmittelbaren Ort, die eigene Position. Zugleich eröffnet das Wort eine zweite Bedeutungsebene: Im Französischen steht hier für „gestern“. In einem einzigen Wort begegnen sich so Ort und Zeit, Gegenwart und Vergangenheit.

Die Ausstellung vereint zwei Werkgruppen, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt erscheinen: Zu sehen ist einerseits eine Auswahl neuester, in Mainz entstandener Gouachen, andererseits ausgewählte Gemälde, die auf einen Aufenthalt der Künstlerin in Dijon im Herbst 2019 zurückgehen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, was beide Werkgruppen miteinander verbindet: die intensive Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt und die Frage, wie sich unsere Wahrnehmung von Stadt durch den malerischen Blick verändert.


ERÖFFNUNG: Freitag, 16. Oktober 2026, 18 – 20:30 Uhr
Gallery Crawl PART Mainz: Donnerstag, 26. November 2026, 18 – 22 Uhr
FINISSAGE: Samstag, 28. November 2026, 12 – 16 Uhr, ARTIST TALK um 15 Uhr: Katja von Puttkamer im Gespräch mit Dr. Gabriele Rasch, Kunsthistorikerin und Co-Kuratorin der Ausstellung

Katja von Puttkamer ist bekannt für ihren präzisen Blick auf urbane Räume. Die Stadt wird für sie zum Beobachtungsfeld, in dem sich gesellschaftliche Vorstellungen und historische Veränderungen ablesen lassen. Urbane Strukturen, Fassaden, Fenster, Balkone, Materialien oder scheinbar beiläufige Details interessieren sie dabei nicht als bloße Motive. Vielmehr richtet sich ihr Blick darauf, welche Spuren unterschiedliche Zeiten und Vorstellungen vom Leben in der gebauten Umgebung hinterlassen haben.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Architektur der Nachkriegsmoderne, in der sich Vorstellungen von gesellschaftlichem Aufbruch, Fortschritt und der Gestaltbarkeit von Zukunft manifestieren. Katja von Puttkamer interessiert, wie sich die Wahrnehmung dieser Architektur im Laufe der Zeit verändert und welchen Veränderungen die Bauten selbst ebenso wie die sie umgebenden Stadträume unterliegen.

Im Mittelpunkt der Dijon-Arbeiten steht die historische Markthalle der Stadt. Als Katja von Puttkamer sie im Herbst 2019 an einem marktfreien Tag besuchte, lagen die sonst belebten Verkaufsstände unter schweren Decken und Tüchern verborgen. In den Gemälden verwandeln sich die vertrauten Strukturen des Marktes dadurch in eine Landschaft aus abstrakten Formen und verhüllten Körpern. Eine geplante Rückkehr in den laufenden Marktbetrieb konnte aufgrund der kurz darauf einsetzenden Corona-Pandemie nicht stattfinden. Die Stände blieben abgedeckt und die zunächst zufällig vorgefundene Situation des Stillstands erhielt vor dem Hintergrund der folgenden Ereignisse eine neue Bedeutung.
Katja von Puttkamer geht es jedoch nicht darum, diese historische Situation dokumentarisch festzuhalten. Vielmehr interessiert sie sich für die visuellen und atmosphärischen Qualitäten des Gesehenen. Architektur, Marktstände, Mobiliar und Stoffe verdichten sich zu komplexen Bildräumen, in denen Gegenständlichkeit und Abstraktion ineinandergreifen. Fließende Formen treffen auf die klare Geometrie von Architektur und Verkaufsständen, Vertrautes wird fremd und entzieht sich einer eindeutigen Lesbarkeit. Die Bilder bewahren dabei etwas von Ort und Zeit ihrer Entstehung, ohne sich in deren reiner Beschreibung zu erschöpfen.

Diesen Arbeiten stehen in „hier“ die neueren, kleinformatigen Gouachen aus Mainz gegenüber. Während die Dijon-Bilder häufig in die Tiefe gestaffelte Räume eröffnen, konzentrieren sich diese Arbeiten auf Ausschnitte von Gebäudefassaden und einzelne architektonische Details wie Fenster, Balkone, Oberflächen oder konstruktive Strukturen. Der Blick rückt näher heran, beinahe bis zur Grenze des Abstrakten.
Gerade in dieser Nahsicht zeigt sich die besondere Qualität der Gouachen. Der deckende, samtige Charakter der Farbe verleiht den alltäglichen Motiven eine ganz eigene bildnerische Präsenz, die sie der beiläufigen Wahrnehmung im Stadtraum entzieht. Aus ihrem funktionalen Zusammenhang herausgelöst und in farbige Passepartouts gesetzt, entwickeln diese Fragmente ein Eigenleben und lenken den Blick auf Formen und Farbkombinationen, die im Vorübergehen häufig unbeachtet bleiben.

So verbindet die Ausstellung Beobachtungen aus zwei unterschiedlichen Städten, Zeiten und Erfahrungsräumen. „hier“ bezeichnet damit mehr als einen Ort. Im malerischen Prozess verschiebt sich die Wahrnehmung von Vertrautem: Strukturen treten hervor, scheinbar Nebensächliches gewinnt an Präsenz und unterschiedliche zeitliche Ebenen werden miteinander in Beziehung gesetzt. Das „hier“ der Ausstellung trägt so immer auch ein „gestern“ in sich.

Katja von Puttkamer (*1961) lebt und arbeitet in Ingelheim am Rhein. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Gerd Winner, bei dem sie ihr Studium als Meisterschülerin abschloss. Ein DAAD-Stipendium führte sie anschließend an das Hunter College in New York, wo sie bei Prof. Robert Morris als Artist in Residence arbeitete. Katja von Puttkamers Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt unter anderem in der Kunsthalle Darmstadt, der Kunsthalle Mainz, im Kunstverein Viernheim und im Kunstverein Ludwigshafen. Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Förderpreis Bildende Kunst im Rahmen des Kunstpreises Berlin der Akademie der Künste sowie mehrere Förderungen der Stiftung Kunstfonds. Darüber hinaus realisierte sie zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte im öffentlichen und institutionellen Raum. Von 2002 bis 2015 hatte sie einen Lehrauftrag am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz inne.

Künstlerin

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