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Florian Witt – How to Welt als Mensch
Ort: EMDE GALLERY - Mainz
Florian Witt – How to Welt als Mensch
Florian Witt drückt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Medien aus: Papier, Leinwand, Holz und Keramik werden von ihm nicht einfach als Träger genutzt, sondern jeweils als eigenständige Materialwelten begriffen. Diese unmittelbare Nähe zum Material prägt seine gesamte künstlerische Praxis. Das Handgemachte spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht nur als Technik, sondern vor allem als Haltung.
In kurzen, flinken Arbeitsphasen fängt er flüchtige Eindrücke und Ideen ein und übersetzt diese in Bildwelten aus wiederkehrenden Formen und Zeichen, die sich zwischen gezeichneter Malerei und gemalter Zeichnung bewegen. Seine Bildsprache verbindet spielerische Elemente, digitale wie analoge Bezüge und skizzenhafte Symbole, die sein Interesse an menschlichen Handlungen, Regungen und vom Menschen erschaffenen Strukturen widerspiegeln – also jenen Ausdrucksformen, Handlungen und Zeichen, durch die wir unsere Welt als Menschen erfahren und gestalten. Genau das spiegelt auch der Titel der Ausstellung wider.
ERÖFFNUNG: Freitag, 26. September 2025, 17:30 – 20 Uhr
KÜNSTLERGESPRÄCH: Samstag, 27. September 2025, 15:30 Uhr (im Rahmen der Teilnahme der Galerie an der Mainzer Kunst-Biennale „…3xklingeln!“ vom 26. – 28. September 2025
Gallery Crawl PART Mainz: Donnerstag, 30. Oktober 2025, 18 – 22 Uhr
Eine wichtige Inspirationsquelle für Florian Witt sind Computerspiele, aber auch Werkzeuge oder alltägliche, menschengemachte Dinge. In seinen Zeichnungen tauchen immer wieder Tastaturen und Hände auf – die, wie die Werkzeuge, auch als ein direkter Verweis auf den Aspekt des Handgemachten gelesen werden können –, ebenso Schornsteine, Kugeln und Objekte, die an architektonische Konstruktionen oder industrielle Gebilde erinnern oder als Grundformen von menschlich Gebautem erscheinen. Daneben finden sich abstrakte Farbflächen mit Liniengeflechten oder bizarre, figürliche Charaktere, teilweise ergänzt durch Schriftzeichen und Symbole.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Holzkonstruktionen, die fast wie kleine Persönlichkeiten wirken: etwa die bikes (Fahrräder) oder die Blumenvase – vertraute Objekte, die uns im Alltag begegnen, hier aber in reduzierter, spielerischer, fast kindlich anmutender Form erscheinen und gerade dadurch eine gewisse Individualität ausstrahlen – und durch ihre Unvollkommenheit auch auf ihren menschlichen Erbauer und Ursprung verweisen.
Auch in den Bildtiteln setzt Florian Witt sein Spiel fort – diesmal mit Sprache. Manche Arbeiten heißen schlicht wie sie aussehen oder was sie verkörpern, sind also eher nüchtern beschreibend (z.B. „Pistole“, „Maßstab“ oder „Außen Pink innen Gelb unten Blau“), andere Titel sind voller Wortspiele und Doppeldeutigkeiten und verweisen auf tiefere Bedeutungen (etwa „Doppelnice“, „Es geht ums Kerninteresse“ oder „Diskursive Schlüsse (Schüsse)“).
Eine besondere Rolle in dieser Ausstellung spielt die Arbeit „Prüfstein“. Ein Prüfstein ist ursprünglich ein kleiner dunkler Stein – meist Schiefer –, auf dem man Gold- oder Silberstücke gerieben hat, um dann mit Säuren zu prüfen, ob das Metall echt ist. Also ein Werkzeug der Prüfung, der Bewährungsprobe.
Bei Florian ist daraus eine kleine, bemalte Holzskulptur geworden, die er selbst schon mehrere Male „erprobt“, also benutzt hat – die sichtbaren Gebrauchsspuren, die Teil des Werkes sind, belegen dies. Von diesem Original hat er zehn weitere Ausführungen angefertigt, die er als „Kopien“ bezeichnet. Eigentlich sind es keine Kopien im klassischen Sinn, sondern eigenständige Objekte aus Holz, handbemalt, mit jeweils leichten Abweichungen. Rein technisch ist es eher eine Edition (eine kleine Serie, nummeriert, datiert und signiert). Indem er sie bewusst als „Kopien“ bezeichnet, stellt er Fragen nach Originalität, Wiederholung und Authentizität. Im Unterschied zu den „Kopien“ besitzt das Original eine besondere Aura, den höchsten Wert, es verkörpert die einmalige Idee. Zugleich geht es Florian Witt aber auch um eine Demokratisierung von Kunst – Kunst soll nicht nur denjenigen vorbehalten sein, die sich das Original leisten können. Indem er mehrere Ausführungen schafft, öffnet er es für ein breiteres Publikum. So wird der „Prüfstein“ selbst zum Prüfstein einer künstlerischen Idee einer Reflexion über Wert, Originalität und Teilhabe.
Florian Witt lebt und arbeitet in Bremen. Er hat Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Thomas Hartmann studiert und an der Hochschule für Künste Bremen bei Stephan Baumkötter und Kathrin von Maltzahn sowie als Meisterschüler bei Ingo Vetter. Seine Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, unter anderem in der Gruppenausstellung „Game on“ 2022 im Künstlerhaus Dortmund oder in der Gruppenausstellung „What is that invisble thing your arm is resting on“ im Sommer diesen Jahres im Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen.
Künstler
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